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Mit Bus und Bahn 10:

Über den Hermersbergerhof ins wilde Freischbachtal

Stille Wege am Rande des 
Pfälzer Urwalds

Start: Hinterweidenthal   Ziel: Wilgartswiesen oder Rinnthal 

Hauptroute (20 km): Bahnhof Hinterweidenthal-Ort (nicht Hinterweidenthal-Ost!) - 1 Ziegler Tal - 2 Kuhpfad - 3 Weggabelung Wildsauhütte - 4 Wegspinne westlich der Spitzen Boll - 5 Kuhpfad – 6 Hermersbergerhof - 7 Rauschenhalde – 8 Schutzhütte - 9 Freischbachtal – 10 Wellbachtal - Bahnhof Rinnthal

Variante 1 (15 km): ... - 9 Freischbachtal – 10a Wolfsgrube - Bahnhof Wilgartswiesen

Variante 2 (21 km): ... - 10 Wellbachtal – 11a Queichtal - Bahnhof Wilgartswiesen

Karte 1:25.000: "Hauenstein & Trifelsland", Pietruska-Verlag (ISBN 978-3-934895-88-1)


Auch den Wanderfreund plagt mitunter arg das Umweltgewissen. Um in seine geliebte Natur zu kommen, ist ihm oftmals kein Autokilometer zu viel. Wählen wir dieses Mal also die ökologisch korrekte Alternative und bedienen uns der Bahn, genauer: der Verbindung Saarbrücken-Landau. Die sehr abgeschiedene Tour führt von Westen kommend ins Trifelsland, streift auf schattigen Wegen die größte Naturschutzzone des Pfälzerwaldes, bietet Einkehrmöglichkeiten in der Höhensiedlung Hermersbergerhof, führt dann tief hinunter ins wilde Freischbachtal und letztlich zu einem der Bahnhöfe im Queichtal.

Vom etwas erhöht gelegenen Bahnhof Hinterweidenthal-Ort laufen wir hinunter zum Mitfahrerparkplatz an der Bundesstraße 10. Dahinter laufen wir durch einen Tunnel an der jungen Wieslauter entlang ins Ziegler Tal. Dort beginnt gleich rechts der „Kuhpfad“ [Blau-Roter Balken], der uns in etwa zwei Stunden zur Höhensiedlung Hermersbergerhof bringen wird. Zunächst führt er mit genau dem richtigen Steigungsgrad fürs schnelle Warmwerden hinauf auf den langgestreckten Bergrücken des Pfaffenberges. Kapitale Buchen, Eichen und Kiefern säumen den folgenden Höhenweg. Frisch geschlagene Eichen stapeln sich am Wegesrand und erinnern uns daran, dass der zentrale Pfälzerwald einst der bevorzugte Holzlieferant beim Bau der holländischen Kolonialflotte war.

Immer sieht man links des Weges Schilder mit der Aufschrift „Zone für natürliche Entwicklung“. Wir bewegen uns am südöstlichen Rand eines ausgedehnten Naturschutzgebiets, der Kernzone "Quellgebiet der Wieslauter" (siehe Infokasten rechts).

Unser breiter und deshalb für einen ausgiebigen Plausch wie geschaffener Weg ist eher aussichtsarm, wer allerdings aufmerksam hinschaut, wird rechts das frühere Forstamt Meisenhalde erspähen und links den im Herzen der Kernzone gelegenen auffällig geformten Wartenberg. Etwa eine Stunde nach Beginn der Wanderung kommen wir zu einer Weggabelung, in deren Mitte ein Felsblock mit der Aufschrift „Wildsauhütte“ liegt. Die darauf angebrachten Farbmarkierungen sind irreführend. Die Route zum Hermersbergerhof führt nach rechts!

Bald steilt sich vor uns die markante Pyramide der Spitzen Boll auf. Vor diesem nur weglos zu ersteigenden Gipfel treffen wir auf eine große Wegspinne. Mutigere Zeitgenossen verlassen hier den Kuhpfad, wenden sich nach halbrechts, wandern dann - immer auf gleicher Höhe bleibend - in einem weiten Linksbogen am Südfuß der Spitzen Boll entlang und erschließen sich so einen freien Blick nach Süden und Osten. Nach einer guten Viertelstunde stoßen sie auf die grasige Trasse einer Ferngasleitung, laufen dort nach links hinunter und stoßen  wieder auf den Kuhpfad, dem sie nach rechts folgen.

Dann eine letzte, recht gut beschilderte Wegspinne, ein kurzer Aufstieg und wir erreichen den Hermersbergerhof. Die kleine Siedlung, 550 m hoch auf der Wasserscheide Rhein-Mosel gelegen, hatte in schneereicheren Zeiten oft einen gewaltigen Ansturm von Wintersportlern zu verkraften. Die Skipiste gibt es nicht mehr, allerdings eine pfiffige Rodelbahn und zwei Gaststätten. 

Der nun anstehende Abstieg in das Freischbachtal zählt zu den abwechslungsreichsten Wegpassagen des zentralen Pfälzerwaldes [Blaues Kreuz, bis ins Freischbachtal]. Wir wandern zunächst parallel zur Straße nach Wilgartswiesen die Rauschenhalde entlang. Es lohnt sich, dort einmal einige Meter vom Weg seitwärts hinaufzusteigen - der Aussicht wegen. Gebietskenner identifizieren eine breite Gipfelgestalt im Osten als den Großen Almersberg, einen zwar wenig bekannten, aber sehr lohnenden Aussichtsberg.

Nach einem Linksschwenk beginnt an einer Schutzhütte der schönste Teil des Abstieges, ein echter Wanderweg mit federndem Waldboden, Wurzelwerk und Gestein, der zu Beginn von knorrigen Kiefern, dann von jungen Buchen und ganz unten von Fichten begleitet wird. Das tief eingeschnittene, jedoch niemals triste Freischbachtal mit seinen ausgedehnten Wiesen und steilen, von bemoosten Felsblöcken durchsetzten Bergflanken ist Balsam für geplagte Großstadtseelen. Wer hier nicht abschalten oder - sei´s drum - chillen kann, schafft es nirgends.

Wer genug hat wählt jetzt die Variante 1 (siehe unten), Genießer folgen weiter dem Freischbachtal bis zur Einmündung in das Wellbachtal. Schön zwar, aber doch mit Zivilisationsmakel: Auf der anderen Talseite lärmen am Wochenende Hunderte von Motorradfahrern, die sich hier cool in einen Kurvenrausch oder tragisch ins Hospital, mitunter auch in die Leichenhalle fahren. Wenn auch die Ohren einiges zu verkraften haben, so kommen doch die Augen auf dem blau-weiß markierten halbstündigen Schlussabschnitt bis zum Bahnhof in Rinnthal entlang des elegant mäandernden Wellbachs und der träge dahinfließenden Queich auf ihre Kosten.


Variante 1:

Vom Freischbachtal direkt nach Wilgartswiesen [Gelb-Roter Balken]. Nach zehn Minuten Aufstieg kommt man zu einer kleinen Passhöhe, die mit einer kleinen historischen Besonderheit aufwartet: Etwa fünfzig Meter östlich des Passes steht die Wolfsgrube, eine gut restaurierte, aus Bundsandstein gemauerte Wolfsfalle. Laut Infotafel wurde der letzte Wolf in der Pfalz erst im Jahre 1908 erlegt. 

Variante 2: 

Aus dem Wellbachtal kommend im Queichtal nach rechts und auf dem Queichtal-Radweg durch das nette, aber dank der B 10 laute Tal nach Wilgartswiesen.


Benachbarte Wanderungen:

Rundwanderung 14 Urwaldtour im Wieslauter-Quellgebiet (Start im Ziegler Tal)

Rundwanderung 30 Aus dem Wellbachtal zum Luitpoldturm (Start im Wellbachtal)

Rundwanderung 13 Durchs Ziegler Tal zum Merzalber Schloss (Start im Ziegler Tal)
Naturspaziergang 12 Ziegler Tal (Start im Ziegler Tal)


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  FAHRPLANAUSKUNFT

Länge: 20 km (Varianten 15 km oder 21 km)

Anstieg: 330 Höhenmeter

Schweiß: Mäßig

Aussicht: Nett

Abgeschiedenheit: Großl

Orientierung: Meist einfach


Einkehr am Wege:
2 Gaststätten in Hermersbergerhof

Führungen in der Kernzone: Forstamt Hinterweidenthal 
(06396/9109600)


In der näheren Umgebung:
Freibad Hauenstein,
Teufelstisch
mit
Spielpark Teufelstisch bei Hinterweidenthal,
Schuhmuseum Hauenstein,
Wild- und Wanderpark Silz,
Burg Berwartstein,
Burgruine Altdahn,
Burg Trifels

Regionale Tourist-Infos:
Trifelsland
Tourismusregion Hauenstein

Tourismusgemeinden:
Hinterweidenthal
Wilgartswiesen
Rinnthal
Hauenstein
Annweiler


Bilder zum Vergrößern anklicken!

Die Wolfsgrube bei Wilgartswiesen

Kernzone "Quellgebiet 
der Wieslauter" 
des Biosphärenreservats "Pfälzerwald-Nordvogesen"

Der Naturpark Pfälzerwald ist Teil des grenzüberschreitenden UNESCO Biosphärenreservats "Pfälzerwald - Nordvogesen" und befindet sich damit als besonders schützenswerte Landschaft in der illustren Gesellschaft der Wüste Gobi und des Yellowstone-Nationalparks. 

Um den Status des Biosphärenreservats zu erhalten, müssen mindestens 3 % der Gesamtfläche als sogenannte Kernzonen ausgewiesen werden, die von jeglicher Nutzung ausgeschlossen sind und ganz der Natur überlassen werden; für Wanderer und Radfahrer werden einige wenige Wege freigehalten, das Verlassen dieser Wege ist strikt verboten. 

Sechzehn solcher Zonen sind über den Pfälzerwald verstreut, das Quellgebiet der Wieslauter ist die mit Abstand größte (Führungen können über das Forstamt Hinterweidenthal unter der Telefonnummer 06396/9109600 gebucht werden). Dieses riesige Areal erstreckt sich von Hinterweidenthal bis zum Luitpoldturm; im Süden wird es vom Kuhpfad begrenzt, im Norden vom Winschertberg, welcher sich von der Burgruine Gräfenstein bei Merzalben in Richtung der Landstraße zwischen Leimen und Johanniskreuz zieht. 

Wanderungen auf den genehmigten Wegen innerhalb der Kernzonen werden ihren ganz eigenen Reiz entwickeln - wo sonst kann man über Jahre hinweg das Entstehen eines Urwaldes verfolgen?